How…

… to make men working. 

Dieser Gedanke kam mir, nachdem ich angefangen hatte, mich in Hume’s ENQUIRY CONERNING HUMAN UNDERSTANDING einzulesen und mit der Vorbereitung eines Vortrages über Hume’s Philosophie beschäftigt war. ‚How to make men working“ schien mir das Muster der möglichen Auswirkung Hume’schen Philosophierens, das sich mir zwischen den Zeilen und aus meinen Assoziationen beim Lesen nahe legte.

 Ich hatte den Satz und den dazugehörigen Sachverhalt vor einigen Jahren in einem Buch über die Naskapi aufgeschnappt. Die Naskapi gehörten mehrere tausend Jahre lang zu den Ureinwohnern Labradors. Der amerikanische Ethnologe Frank Speck hatte vor ca. 100 Jahren die Naskapi aus unmittelbarer Nähe erforscht und für mich Faszinierendes über sie berichtet. Die Naskapi lebten viele Jahrtausende in kleinen Familiengruppen im unwirtlichen Labrador, das sich im Winter durch Kälte und Schnee auszeichnet und im Sommer durch Myriaden von Stechmücken, was bis heute Labrador den üblichen Massentourismus erspart hat. Stets gibt es Wind, der über die weiten Ebenen pfeift. Die Naskapi nutzten natürliche Gegebenheiten, die sie für ihre Bedürfnisse minimal veränderten, um Unterschlupf zu finden auf ihren ständigen Wanderungen unterwegs nach Nahrungssuche. Um herauszufinden, wo am besten welches Wild zu fangen wäre, bedienten sie sich neben der Spurensuche, der Umgebungserkundung und ihrer Erfahrung stets ihrer Träume, die sie in Verbindung mit ihrem ‚inneren Menschen‘ brachten. Träume gehörten zum morgendlichen Gesprächsthema. Man erzählte sie einander, um aus ihnen wertvolle Tipps fürs Überleben zu erhalten. Dieser Lebenspraxis entsprach ihre Auffassung, dass zu ihrem Überleben zum einen die achtsame Verbindung mit der Natur und zum anderen die empathische Verbindung mit ihrem ‚inneren Menschen‘ gehörten. Verlor ein Naskapi eine der beiden Verbindungen oder geriet er – aus welchen Gründen auch immer – zwischen diesen aus dem Gleichgewicht, war sein Überleben in Gefahr. Ein reicher Geschichtenschatz thematisierte Verlust des Jagdglücks oder obsessive Gemütszustände in literarischen Variationen als Folge. Dies konnte im unwirtlichen Labrador schnell zum Tod führen.  

 Jeder Naskapi war also damit beschäftigt mit der Natur und seinem ‚inneren Menschen‘ im Einklang zu leben, um eine persönliche Ausgangslage zu gewinnen, von der aus er zusammen mit anderen einen lebensnotwendigen nahrungsspendenden Lebensraum inmitten der unwirtlichen Natur unterhalten konnte. Einem zivilisierten Menschen vorzuschlagen: Nimm Dir ein Beispiel an den Naskapi! würde an seiner Lebenssituation vorbeigehen. Mit einer Ausnahme, die ich als – immer wieder neu zu erreichendes – Ergebnis der kontinuierlichen Arbeit der Naskapi an ihrer jeweiligen Verbindung zur Natur und ihrem jeweiligen ‚inneren Menschen‘ betrachte. Dieses Ergebnis umschrieben die Naskapi mit “ to make (wo)man working“. Was ich mit ‚den Menschen zum Laufen bringen‘ und etwas ‚fachfraulicher‘ mit ‚Funktionalität‘ wiedergebe.

 Auch Hume’s Philosophie kann m.E. ‚Menschen zum Laufen bringen‘. Unter ‚hinsehen‘ erwähne ich dazu Ganzheit, was bei Hume sich hinter dem Wort ‚perfect‘ verbergen könnte, das m.E. besser mit ‚vollständig‘ anstatt mit ‚vollkommen‘ übersetzt werden sollte. Hume möchte aus meiner Sicht Menschen dazu anregen, diese Vollständigkeit für sich existierend wirksam zu machen. Dazu brauchen zivilisierte Menschen vielfältige Kenntnisse über ihre Befindlichkeiten, Bedürfnisse … auch über ihre ’natürlichen Gegebenheiten‘, ihre kulturellen und historischen Ursprünge. Viele dieser Kenntnisse hat Hume im Laufe seines Lebens erforscht und bereits als sehr junger Mann einen Forschungsbericht erstellt, der einen großen Teil dieser notwendigen Kenntnisse zum Inhalt hat: EINE ABHANDLUNG ÜBER DIE MENSCHLICHE NATUR (Treatise of Human Nature) in drei Bänden. Damit hatte er für sich sein Projekt „neue Sichten “ für menschliches Handeln und Denken zu finden, zu einem ersten Abschluss gebracht. Er hatte mit der Veröffentlichung seiner „neuen Sichten“  im Sinn, Bewegung in die Wissenschaften und in die Wissenschaftler seiner Zeit zu bringen.

 Bis heute ist der von ihm gewünschte Diskurs nicht zustande gekommen. Immer noch scheint die Theorielastigkeit der Wissenschaften im Zusammenhang mit heimlich wirkenden ‚Wahrheits’konzepten das Haupthindernis für den Mangel an Kommunikation und gesellschaftlicher Umsetzbarkeit der jeweiligen Forschungsergebnisse zu sein, was jede Forschung beeinträchtigt. Hume’s probabilistisches und durch Hinsehen geprägtes Philosophieren dürfte vielfältige Anregungen bieten, die Wissenschaften und Wissenschaftler ‚zum Laufen bringen‘ können.

PS: Möglicherweise könnte das, was  Authentizitaet bezeichnet, aehnlich wie das Gleichgewicht der Naskapi ebenso ähnlich wie Hume’s Idee eines ‚vollstaendigen Menschen‘  mit meinen.  

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