revisiting: sympathy 1



Transposition

Abhandlung über die menschliche Natur 2.1.11.2

Menschen zeigen ein bemerkenswertes Charakteristikum, das sowohl als Phänomen als auch hinsichtlich seiner Folgen deutlich unter anderen hervorsticht. Jeder Mensch hat das Beduerfnis gemeinsam mit anderen das zu teilen, was er sensoriert: d.h. er möchte mit anderen sympathisieren. Er tritt zu anderen in Kontakt, indem er sich ueber Neigungen, Interessen und Ansichten unterhaelt, auch wenn diese von seinen eigenen verschieden sind oder gar im Widerspruch zu ihnen stehen. Das ist nicht nur deutlich beim kindlichen ICH zu sehen, das ganz selbstverständlich Auffassungen anderer übernimmt und so mit anderen in Kontakt bleibt. Auch ein erwachsenes ICH mit einem differenzierten Urteils- und Denkvermoegen findet es sehr schwierig, bei eigenen Beweggruenden und Auffassungen zu bleiben, wenn diese zu denen von Freunden oder Lebenspartnern im Widerspruch stehen. Ich nehme an, dass dieses Verhaltensmuster die ausgeprägte Uniformität bewirkt, die bei Menschen einer Nation hinsichtlich Emotionen und Denkweise beobachtet werden kann. … Ein froh gestimmtes ICH befindet sich im nu in der gleichen Stimmung wie seine Begleiter. Auch ein in sich gekehrtes und missgelauntes ICH nimmt die Stimmung seiner Landsleute und seines Bekanntenkreises an. Wenn ein anderer froehlich ist, fuehle ich mich merklich gelassen und heiter. Ist jemand verärgert oder betruebt, fuehle ich mich augenblicklich niedergeschlagen. Empfindungen wie ich hasse, ich bin verstimmt, ich werde anerkannt, ich liebe, ich bin mutig, ich bin heiter, ich bin niedergeschlagen, erlebe ich oefter im Kontakt mit anderen, als dass sie – wenn ich  alleine bin – von meinem eigenen angeborenen Temperament und meiner momentanen Stimmung ausgehen. Ein derart bemerkenswertes Phänomen verdient Aufmerksamkeit. Ich moechte ihm nachspueren und herausfinden, welches die grundlegenden Prinzipien sein dürften, die „sympathisieren“ ermoeglichen könnten.

Anmerkung: ICH bezeichnet die allgemeine Einheit Koerper (traditionell: Mensch) bzw. die näher bestimmte Einheit Koerper (traditionell: ich). Dieser gewöhnungsbedürftige Terminus soll den ausschlieszlich von mir unterstellten physiologischen Charakter ‚Mensch‘ deutlich machen und wird hier experimentell verwendet. Möglicherweise eignet er sich nicht für die Transposition.

Orginal

Treatise of Human Nature 2.1.11.2

No quality of human nature is more remarkable, both in itself and in its consequences, than that propensity we have to sympathize with others, and to receive by communication their inclinations and sentiments, however different from, or even contrary to our own. This is not only conspicuous in children, who implicitly embrace every opinion propos’d to them; but also in men of the greatest judgment and understanding, who find it very difficult to follow their own reason or inclination, in opposition to that of their friends and daily companions. To this principle we ought to ascribe the great uniformity we may observe in the humours and turn of thinking of those of the same nation; and ’tis much more probable, that this resemblance arises from sympathy, than from any influence of the soil and climate, which, tho’ they continue invariably the same, are not able to preserve the character of a nation the same for a century together. A good-natur’d man finds himself in an instant of the same humour with his company; and even the proudest and most surly take a tincture from their countrymen and acquaintance. A chearful countenance infuses a sensible complacency and serenity into my mind; as an angry or sorrowful one throws a sudden damp upon me. Hatred, resentment, esteem, love, courage, mirth and melancholy; all these paszions I feel more from communication than from my own natural temper and disposition. So remarkable a phaenomenon merits our attention, and must be trac’d up to its first principles.

revisiting Hume: sympathisieren – Sympathie



In den folgenden Artikeln – mit heute beginnend – werde ich einige aufeinander folgende Abschnitte aus dem zweiten Band von Humes dreibaendigem Jugendwerk „Eine Abhandlung ueber die menschliche Natur“ veroeffentlichen. Thema dieser Abschnitte ist das Zentrum des Menschlichen – im traditionellen philosophischen Sprachgebrauch mit Moralitaet bzw. Ethik bezeichnet: Gemaesz Humescher Auffassung von ‚philosophieren‘ – wie ich sie aus seinen Texten entnehme – geht es genauer um die Kreation des Zwischenmenschlichen und wie es vom jeweils eigenen Innermenschlichen ermoeglicht werden kann. Metaphysisch formuliert: Wie werden aus Egoisten Altruisten? Der dazu passende christliche Terminus duerfte „Naechstenliebe“ sein.

Meine deutschen Texte sind Transpositionen der englischen. D.h. ich rekonstruiere Hume-Texte in deutsche, indem ich die englischen in einen von mir ausgewaehlten und charakterisierten Rahmen setze. Die bisher in diesem Blog veröffentlichten Texten entsprechen diesem Rahmen weitestgehend auch schon. Ich verwendete in den Texten über ’sympathisieren‘ entschiedener Termini, die meinem ‚physistisch philosophieren‘  gemaeszer sind. Wie immer bei solchen Anlaessen weise ich darauf hin, dass viele griffige Bezeichnungen von Rolf Reinhold stammen. Ich habe und hatte bisher nicht die Energie sie in vergleichbarer Qualitaet selber zu finden.

Mein Rahmen ist im Wesentlichen gepraegt

  • durch Rolf Reinholds Rahmen ‚Physistik‘,
  • durch die Annahme, dass Hume philosophierend von ‚hinsehen‘ und ‚(neuro) physiologischen Kenntnissen ausging.
  • durch mein ‚physistisch philosophieren‘
  • durch das Kriterium ‚Stimmigkeit‘.
  • durch jede einzelne Entscheidung englische Termini und Syntax in ganz bestimmter Weise entsprechend meines Gebrauchs des Deutschen zu rekonstruieren.

Dies ergibt im Ergebnis ein konsequentes Uebertragen, das triviales Uebersetzen ausschlieszt. Letzteres duerfte m.E. untauglich sein um herauszufinden, ob aeltere philosophische Texte ueberhaupt Anregungen für Loesungen von gegenwaertige Probleme geben können. Aeltere, von einem metapyhysisch geprägten Rahmen ausgehende  Hume-Uebersetzungen – wie z.B. die von Kirchmann – hindern aus meiner Sicht den Leser daran, sich Vorstellungen von der Art und Weise des Humeschen ‚philosophieren‘ machen zu können. Hinweise anderer Uebersetzer oder von Herausgebern, dass eine bestimmte Hume-Uebersetzung ’nahe am Orginal‘ sei und damit ’nah am Humeschen Gedankengut‘ halte ich fuer fragwuerdig.* Dies entspricht aus meiner Sicht lediglich der verbreiteten Gewohnheit inhaltliche Korrektheit zu behaupten, ohne den jeweils eigenen Uebersetzungsrahmen zu reflektieren. Es gibt vereinzelte Hinweise darauf, dass auch ausgewiesene Fachleute meine Sichtweise teilen.

*Wolfgang Sohst – Herausgeber einer Neuauflage der von Theodor Lipps verfassten 100Jahre alten Hume-Uebersetzung der „Abhandlung über die menschliche Natur – folgte in seinem Vorwort der Idee einer moeglichst behutsamen Modernisierung der Lippschen Uebersetzung. D.h. der Lippsche Text wurde an die neuste Rechtschreibung angepasst und einer stilistische Modernisierung unterzogen. Inhaltliche Optimierungen im Sinne eines stimmigeren Bezuges zwischen heute und gestern wurden unterlassen. Grund für diese Zurueckhaltung sei die Qualitaet  der Lippschen Uebersetzung, die eine ‚gewinnbringende Naehe zum Humeschen Gedankengut‘ aufweise. Ich vermisse Erläuterungen von Lipps über seinen Rahmen, innerhalb dessen er übersetzte. Oder ging er davon aus, dass der sich von selber versteht? (Vgl. David Hume: Traktat über die menschliche Natur. Berlin (xenomoi) 2004, S. 1.)
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Gemeinsam geteilte Werte ergeben sich aus gemeinsamem Handeln


Der Mainstream der rationalistisch gepraegten Philosophie geht seit Jahrhunderten davon aus, dass menschliches Handeln durch Vernunft, den Willen, durch Denken, und in folge dieser Erkenntnisse durch absichtliches Streben gelenkt werden koenne. Entsprechend finden sich kulturelle Haltungen und Einstellungen wie sie folgende Termini dokumentieren: Sei doch vernuenftig! Reiss dich doch mal  zusammen!  Streng dich an, dann klappt’s schon! u.a.m. Die Auffassung ,jemand muesse nur zur Besinnung gebracht werden, dann werde er schon zur Vernunft kommen, rechtfertigt im Interesse aller jede Art von Massnahme gegenueber Einzelnen. Es scheint mir privat und oeffentlich feststellbar, dass derartige Appelle und Massnahmen auf das Handeln jedes mit jedem bzw. aller mit allen wenig Einfluss haben duerfte.

Dennoch wird oeffentlich und privat an derartigen Auffassungen unbeirrt festgehalten. Dies duerfte u.a. eine Folge von Enkulturation sein. Sie macht Menschen unempfaenglich fuer das, was ihr Handeln von Anfang ihres Lebens an bestimmt; vermutlich weil es sie schon bestimmte, als Eigenstaendiges noch kaum entwickelt war. Zwischen den Menschen ergibt sich so z.B. die allzu menschliche Neigung den Balken im eigenen Auge zugunsten von Splittern in den Augen anderer zu uebersehen. Ein vergleichbare Empfindungslosigkeit fuer eigene Selbstverstaendlichkeiten – und einer daraus folgenden Distanz- und Kritiklosigkeit für Eigenes – duerfte auch Philosophen aller Zeiten bestimmt haben. Erinnerungen an ihre jeweilige Enkulturation duerften auch ihnen in der Regel kaum zugaenglich sein. Eigene Sichten, Werte und eigenes Verhalten gelten so allzu oft als notwendig gegeben und werden mit Ewigkeitswert ausgestattet. Meinen Kenntnissen nach ueber Metaphysik folgend, gehe ich davon aus, dass auf der Basis dieser kulturell erworbenen Sichten und Werte in der Metaphysik allgemein menschlich gültige Vernunftkonzepte konstruiert und so als Impulsgeber fuer Rat und Tat angesehen werden.

Hume scheint Aehnliches aufgefallen zu sein. Die Vertreter der Metaphysik, so schrieb er zu Beginn seiner ‚Untersuchung ueber den menschlichen Verstand’„… gehen davon aus, dass der Mensch vor allem als ein denkendes anstatt als handelndes Lebewesen betrachtet werden sollte und deshalb kuemmern sie sich hauptsaechlich darum, sein Denken zu verbessern anstatt Zwischenmenschliches. Fuer sie ist Letzteres ein Gegenstand von Spekulationen, das sie eng fokussierten Untersuchungen unterziehen, um so Prinzipien zu finden, die unser Denken regulieren und unsere Empfindungen wecken. Sie fordern uns dann auf, jedes einzelne Ereignis, jede Handlung und jedes Verhalten gemass dieser Prinzipien entweder gut zu heissen oder zu verwerfen.“ (Untersuchung ueber den menschlichen Verstand I, 2)

Da Metaphysiker vernuenftiges Denken zum Motor des menschlichen Handelns erklaerten, behaupteten sie, dass alltaegliches zwischenmenschliches Handeln keine grundlegende Funktion fuer das Entwickeln eigener Werte und der eigenen Faehigkeiten fuer Zwischenmenschliches haben könne. Diesem Ansatz widersprach Hume grundlegend, gruendlich und umfassend, in dem er vom ‚hinsehen‘ auf sein eigenes Handeln und auf das anderer ausging – es folgte die philosophiegeschichtlich dokumentierte Marginalisierung seines ‚philosophieren‘ durch Metaphysiker.

Auszüge aus dem III. Band des Treatise of Human Nature ( Abhandlung über die menschliche Natur)

Handeln anderer beeinflusst das individuelle Handeln

Wuerden Menschen ganz selbstverstaendlich davon ausgehen, dass die in einer Gesellschaft praktizierte Zwischenmenschlichkeit  keinen Einfluss auf Neigungen und Handlungen haette, dann wuerde man sich nicht die Muehe machen, die Menschen immer wieder zu entsprechendem Verhalten  anzuhalten. Nichts waere dann nutzloser, als die Vielzahl einzelner Regeln und Vorschriften, die entsprechende Fachleute reichlich produzieren.

Ueblicherweise unterscheidet man zwischen theoretischer und praktischer Philosophie. Praktische Fragen moralischer Standards werden unter der letzteren abgehandelt. Auch dies unterstellt, dass die in einer Gesellschaft praktizierte Mitmenschlichkeit individuelle Neigungen und Handlungen beeinflussen und dass dieser Einfluss ueber das hinausgeht, was die in aller Ruhe, ungestoert gefaellten Schlussfolgerungen menschlichen Denkens leisten koennen. Diese Einschaetzung wird durch die  allgemeine Erfahrung bestaetigt, der Menschen entnehmen koennen, dass

  • Menschen vor allem ihre Pflichten tun
  • Menschen Handlungen unterlassen, die allgemein fuer ungerecht gehalten werden
  • Menschen im Rahmen ihrer Pflichterfuellung gedraengt werden können anderes zu tun, als sie selber wollten.

Treat. 3.1.1.5

Regeln des Handelns bilden sich im Zusammenwirken aller

Wenn also die in einer Gesellschaft praktizierte Mitmenschlichkeit unser Tun und unsere Neigungen beeinflusst, dann könnte man daraus vermuten, dass mitmenschliche Werte nicht dem Denken entstammen und – wie ich bereits mit Hinweisen auf andere Aspekte deutlich gemacht haben – auch niemals einen vergleichbaren Einfluss haben können. Gesellschaftsweit praktizierte Mitmenschlichkeit ruft ähnliches Engagement der Menschen hervor und produziert oder verhindert ‚menschlich handeln‘.  Das Denken allein versagt hier völlig. Die Regeln mitmenschlichen Handelns dürften deshalb keine Ergebnisse unseres Denkens sein.
Treat. 3.1.1.6

Orginal

Action evokes morality

If morality had naturally no influence on human passions and actions, ’twere in vain to take such pains to inculcate it; and nothing wou’d be more fruitless than that multitude of rules and precepts, with which all moralists abound. Philosophy is commonly divided into speculative and practical; and as morality is always comprehended under the latter division, ’tis supposed to influence our passions and actions, and to go beyond the calm and indolent judgments of the understanding. And this is confirm’d by common experience, which informs us, that men are often govern’d by their duties, and are deter’d from some actions by the opinion of injustice, and impell’d to others by that of obligation.
Treat. 3.1.1.5

Action before reason

Since morals, therefore, have an influence on the actions and affections, it follows, that they cannot be deriv’d from reason; and that because reason alone, as we have already prov’d, can never have any such influence. Morals excite passions, and produce or prevent actions. Reason of itself is utterly impotent in this particular. The rules of morality, therefore, are not conclusions of our reason.
Treat. 3.1.1.6

Skepsis 2

Auszug aus Enquiry of Human Unterstanding, Section XII

Skepsis, die es nicht gibt

(2) Ein Skeptiker wird als einer der Feinde der Religion betrachtet, der unvermeidlich die Empoerung aller religioesen und streng metaphysisch denkenden Philosophen hervorrufen dürfte.  Sie halten ihn fuer einen Menschen, der weder eine eigene Meinung, noch eigene Grundsaetze hat, noch je ueber Handeln und Theorien zu bilden in der Lage sei. M.E. duerfte es auszuschliessen sein, dass man einem Menschen mit einer derart desolaten Verfassung begegnen duerfte oder ihm je begegnet ist. Dies ergibt die sehr nahe liegende Frage: Wie ist eigentlich ein Skeptiker? Ausserdem: Wie weit koennen, philosophische Prinzipien entwickelt werden, wenn sie Moegliches und Ungewisses in Betracht ziehen?

Skepsis, die unverzichtbar scheint

(4) Folgende naeher erlaeuterte Art von Skepsis scheint allerdings eine notwendige Bedingung fuer systematisches Forschen zu sein, denn sie sorgt fuer die Unvoreingenommenheit unserer Urteilsfaehigkeit und entwoehnt uns von allen jenen Vorurteilen, die wir durch Erziehung oder voreiliges Meinen aufgenommen haben. Diese Art gemaessigter Skepsis scheint mir ausserdem sehr plausibel.
Wir beginnen [beim systematischen Forschen] im Sinne dieser Skepsis mit klaren und sich aus der Sache ergebenden Grundannahmen, gehen behutsam und jeden Schritt sichernd weiter, ueberdenken immer wieder unsere Schlussfolgerungen und pruefen die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sehr genau. Zwar werden wir auf diese Weise nur langsam und in geringem Masse vorankommen, aber ich halte dies fuer die einzigen Methoden, durch die wir hoffen koennen, Zutreffendes herauszufinden und einigermassen verlaessliche und begruendete Aussagen machen zu koennen.

Skepsis als Folge wissenschaftlicher Theorien

(5) Im Gefolge von Wissenschaft und Forschung stellt sich im Zusammenhang mit deren spezifischen Theorien, mit denen diese ueblicherweise beschaeftigt sind, eine weitere Art von Skepsis ein: Menschen muessen dabei naemlich entdecken, dass sie einerseits voellig verwirrt werden bzw. dass sie nicht in der Lage sind, [sich von den Ergebnissen der Wissenschaften] eine verlaessliche Vorstellungen zu machen.


Original

Sceptic as an enemy must not exist

(2) The Sceptic is another enemy of religion, who naturally provokes the indignation of all divines and graver philosophers; though it is certain, that no man ever met with any such absurd creature, or conversed with a man, who had no opinion or principle concerning any subject, either of action or speculation. This begets a very natural question; What is meant by a sceptic? And how far it is possible to push these philosophical principles of doubt and uncertainty?

this Sceptic is necessary

(4) It must, however, be confessed, that this species of scepticism, when more moderate, may be understood in a very reasonable sense, and is a necessary preparative to the study of philosophy, by preserving a proper impartiality in our judgments, and weaning our mind from all those prejudices, which we may have imbibed from education or rash opinion. To begin with clear and self-evident principles, to advance by timorous and sure steps, to review frequently our conclusions, and examine accurately all their consequences; though by these means we shall make both a slow and a short progress in our systems; are the only methods, by which we can ever hope to reach truth, and attain a proper stability and certainty in our determinations.

t his Sceptic is a product of sciences

(5) There is another species of scepticism, consequent to science and enquiry, when men are supposed to have discovered, either the absolute fallaciousness of their mental faculties, or their unfitness to reach any fixed determination in all those curious subjects of speculation, about which they are commonly employed.

Kausalitaet I

Hume ueber Kausalitaet: ENQUIRY, IV, 8 ff.

Die Erinnerung an Erlebnisse bestätigt, dass Erfahrung nötig ist.

Wenn man sagt, dass die Ursachen und Wirkungen nicht durch Nachdenken, sondern nur durch Erfahrung festgestellt werden koennen, dann stimmen die Leute stets gerne zu fuer alle die Faelle, an die sie sich erinnern, wo ihnen dieser Zusammenhang vorher nicht bekannt war. … Man gebe einem Menschen, der keine Ahnung von Physik hat, zwei geglaettete Marmorplatten, die aufeinander liegen, fest miteinander zusammenhaengen und fordere ihn auf, sie voneinander zu loesen. Erst wenn er erfahren hat, dass die beiden Platten sich durch seitliches Verschieben mit weniger Kraft voneinander trennen lassen, als wenn er sie durch senkrechtes Abheben voneinander trennen moechte, wird er zwischen Bewegungsrichtung und Kraftaufwand einen Zusammenhang vermuten koennen. Bei solchen Ereignissen, die man nicht aus alltaeglichen Erlebnissen mit der Natur kennt, stimmen Menschen gern zu, dass man das nur durch Erfahrung wissen kann. Auch wird niemand behaupten, dass er die Explosionskraft eines entzuendeten Pulvers oder die Anziehungskraft eines Magneten a priori, also ohne Erfahrung nur durch Nachdenken entdecken koenne.

Ebenso wenig duerfte jemand bestreiten, dass man nur durch Erfahrung die Wirkungen einer komplizierten Maschine und das Funktionieren ihrer Teile kennen kann. Oder will moeglicherweise jemand behaupten, er wisse ohne Erfahrung, ob Milch und Brot – die fuer den Menschen taugen – ein passendes Nahrungsmittel fuer einen Baeren oder einen Tiger sein koennen?

Unsere Erfahrung veranlasst uns davon auszugehen, dass es beobachtbare Zusammenhaenge gaebe.

Diese Gewissheit aber, dass wir ohne Erfahrung keine Zusammenhaenge kennen koennen, verlaesst uns Menschen, wenn wir ueber Ereignisse reden, die wir schon von klein auf kennen, oder die natuerlichen Ereignissen aehneln oder die vermeintlich von einfachen Eigenschaften der Dinge abhaengen und nicht von irgendwelchen verborgenen Mechanismen. Da meint man nun ploetzlich, dass man den Zusammenhang durch blosses Nachdenken und ohne jede Erfahrung entdecken kann. Man tut dann so, als ob man – ploetzlich in die Welt gestellt – schon vorher wisse, dass eine Billardkugel der anderen durch Stossen seine Bewegung weitergeben koenne. Da meinen Menschen, dass man keine Erfahrung brauche, um diesen Zusammenhang schon vorhersagen zu koennen. Daraus kann man schliessen, wie stark die Macht der Gewohnheit ist. Da wo sie am staerksten ist, verbirgt sie nicht nur unsere ganz natuerliche Unkenntnis, sondern sie verbirgt auch sich selbst. …

Naturgesetze und Bewegungen sind Produkte unserer Erfahrung.

Moeglicherweise koennen die folgenden Beschreibungen ausreichen, zu erlaeutern, dass alle Naturgesetze und alle Bewegungen der Koerper ausnahmslos nur durch Erfahrung kennen gelernt werden. Wird uns zum Beispiel ein unbekannter Gegenstand gebracht, und wir sollen angeben, welche Wirkung von ihm ausgehen wird, ohne fruehere Erfahrungen zu Rate zu ziehen, so ist doch die Frage, wie soll ein Mensch dabei vorgehen, um zu einer zutreffenden Aussage zu kommen. Nun er muss sich eine moegliche Wirkung ausdenken oder sie erfinden. Klar ist dabei, dass eine derartige Aussage ganz willkuerlich sein duerfte. Menschen koennen in diesem Fall keine Wirkung am unbekannten Gegenstand entdecken, auch wenn sie ihn ganz genau untersuchen und pruefen.

Ohne Erfahrung – apriori – koennen Menschen sich keine Vorstellungen von zukünftigen Ereignissen machen.

Das duerfte daran liegen, dass Ursache und Wirkung voellig verschieden voneinander sind. Die Bewegung der zweiten Billardkugel ist ein ganz anderes Ereignis als die Bewegung der ersten. Die Bewegung der ersten Kugel enthaelt keinerlei Hinweis auf die Bewegung der zweiten. Ein Stein oder ein Metallklumpen faellt sofort, wenn ich ihn loslasse. Betrachte ich ihn aber bevor ich diese Erfahrung gemacht habe, also a priori, hat da schon jemals jemand etwas an ihm entdeckt, dass Menschen veranlassen koennte, sich eine Vorstellung davon zu machen, dass er nach unten fallen duerfte, anstatt nach oben oder zur Seite?

Der Zusammenhang  zwischen zwei Ereignissen wird apriorisch beliebig  gesetzt.

So willkuerlich, wie jede Idee oder Erfindung einer bestimmten Wirkung eines singulaeren oder erstmaligen Naturereignisses ohne Erfahrung ist, so willkuerlich scheint mir auch das behauptete Band oder die Verbindung zwischen Ursache und Wirkung, welche es angeblich moeglich machen soll, vorauszusagen, dass nur eine ganz bestimmte Wirkung von einer Ursache ausgehen kann. Wenn ich z.B. sehe, wie eine Billardkugel auf eine andere zurollt, kann ich mir zwar vorstellen, dass die andere sich gleich bewegen wird und dass diese Bewegung eine Folge dessen ist, dass die erste sie beruehrt bzw. sie anstoesst. Aber kann ich mir nicht genauso gut 100 andere Wirkungen vorstellen? Moeglicherweise, dass die Kugeln still liegen bleiben? Oder das die erste nach dem Stoss zurueckrollt oder in irgendeine andere Richtung wegspringt? Alle diese Annahmen sind moeglich und denkbar. Wie soll ich mich im Vorwege entscheiden? Welche von den vielen Moeglichkeiten duerfte eintreten? Alle Gruende, die ich mir denke, geben mir a priori keinen Anhaltspunkt fuer meine Entscheidung.

Kurz gesagt: die Wirkung ist von ihrer Ursache verschieden, deshalb kann ich die Wirkung nicht in der Ursache finden. D.h. jede Idee und jede Erfindung einer moeglichen Wirkung duerfte voellig willkuerlich bleiben. Und selbst dann, wenn ich die Wirkung einer bestimmten Ursache kenne, bleibt die Verbindung mit der Ursache genauso willkuerlich, weil es denkbar und vorstellbar ist, dass es viele andere Wirkungen gibt. Meint man also, dass man ein Ereignis ohne Hinsehen und Erfahrung im Voraus bestimmen oder Ursache und Wirkung schlussfolgern koenne, so entbehrt dies jeder Grundlage.

Menschen können schlussfolgern,  Ereignismuster bilden, aber keine Letztbegründungen finden.

Diese Sachverhalte verwehren es einem nachdenklichen Philosophen, dem die Grenzen seines Denkens bekannt sind, zu behaupten, er koenne die letzte Ursache irgendeines Naturereignisses bezeichnen oder die exakte Wirkung demonstrieren, die infolge der Ursache geschieht, die jedes Ereignis im Universum herstellt. Die hoechste Leistung, die wir denkend dabei erbringen koennen, ist durch Schlussfolgerungen aus Analogie, Erfahrung und Hinsehen die Menge der Ereignismuster, die wir an den Naturphaenomenen feststellen, auf einige einfache zu reduzieren und die vielen einzelnen Wirkungen auf einige wenige allgemeine Ursachen zu beziehen. Die Ursachen dieser allgemeinen Ursachen entdecken zu wollen, scheint mir ein vergebliches Unterfangen, ausserdem duerften wir wohl kaum Erklaerungen finden, die uns wirklich zufrieden stellen duerften. Diese letzten Anfaenge und Prinzipien duerften unserem Forscherdrang und unseren Forschungen nicht zugaenglich sein.

Hume: „Ich möchte Erfahrbares und Erforschbares studieren!“

Dass es sich lohnen duerfte, Hume zu revisitieren, koennte auch folgendes Resuemee des 22jaehrigen Philosophen nahe legen.

„Ich habe herausgefunden, dass die Philosophie ueber menschliches Handeln seit der Antike mit derselben Unzulaenglichkeit arbeitet wie die Naturwissenschaften. Beide gehen m.E. ausschließlich von Hypothesen, d.h. ueberwiegend von Erfindungen aus, anstatt sich auf Erfahrbares und Erforschbares zu beziehen. Jeder Philosoph bemueht seine Fantasie und errichtet Chimaeren inner- und zwischenmenschlicher Tugenden (Idealitaeten) und erfuellender Lebenskonzepte, ohne die menschliche Natur mit einzubeziehen, von der – aus meiner Sicht – jede philosophische Schlussfolgerung ueber gesellschaftsweit praktizierte Mitmenschlichkeit ausgehen muesste.

Deshalb moechte ich vor allem Erfahrbares und Erforschbares studieren und dieses als Quelle von Kenntnissen sowohl fuer aesthetische wie fuer humane Wissenschaften verwenden. Ich halte es inzwischen fuer eine Tatsache, dass die meisten verstorbenen Philosophen Opfer ihrer eigenen ueberragenden geistigen Faehigkeiten geworden sind.

Außerdem bin ich sicher, dass man nicht viel mehr tun muss, um zu verwertbaren Ergebnissen zu kommen, als alle diese alten Vorurteile zugunsten der eigenen Meinung oder der anderer wegzuwerfen. Davon duerfte es letztlich abhaengen, ob meine Schlussfolgerungen fuer zutreffend gehalten werden oder nicht. Innerhalb der letzten drei Jahre habe ich meine Schlussfolgerungen in einem Ausmaß vervielfacht, dass ich damit viele Stapel Papier mit Notizen fuellen konnte, die nichts weiter als meine eigenen Erfindungen enthalten.“

Diese Notizen bildeten die schriftliche Grundlage fuer Humes „Treatise Of Human Nature“.

(David Hume: Brief an einen Arzt. Edinburgh 1734. Abgedruckt in John Hill Burton: Life and Correspondance of David Hume. Edinburgh 1846. Band I. S. 30 – 39. Die Veroeffentlichung ist als PDF im Widget „Ueber Hume“ verlinkt und komplett downladbar bei Google-Buch.)

Werbung in eigener Sache

David Hume über seine erste Veröffentlichung EINE ABHANDLUNG ÜBER DIE MENSCHLICHE NATUR in einer anonym veröffentlichten Zusammenfassung. Die ABHANDLUNG war aus seiner Sicht als ‚Totgeburt aus der Druckerpresse gefallen‘.

„Die Arbeit, die ich hier dem Leser mit einer Zusammenfassung anbiete, wurde als dunkel und schwer verständlich beklagt und ich neige der Ansicht zu, dass dies in gleichem Maße von ihrem Umfang als auch durch die Abstraktheit ihrer Argumente befördert wurde. Wenn es mir also gelänge, diese Schwierigkeiten in jeder Hinsicht  auszuräumen, sollte ich mein Ziel erreichen können.

Das Buch, für das ich hier eintrete, scheint mir derartig neue und faszinierende Sichtweisen zu beschreiben, sodass es die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verdient. Sollte es sich insbesondere ergeben, dass die Philosophie, die ich anbiete, Gehör und Akzeptanz findet, dann müssen wir den größten Teil unserer wissenschaftlichen Grundlagen revidieren. Derartige gewagte Versuche, wie ich sie in diesem Buch unternommen habe, scheinen mir in jedem Fall von Vorteil für die weltweite Wissenschaftsgemeinschaft, denn sie schütteln das Joch der Autoritäten ab und können Menschen damit  vertraut machen, eigenständig zu denken. Sie geben Anregungen, die kreative Menschen produktiv weiter verfolgen können undsie fordern zum Widerspruch heraus, weil sie Sachverhalte erläutern, deren Probleme bisher noch niemand aufgefallen sind.

Ich werde mich solange damit begnügen müssen,  geduldig darauf zu warten, bis die Meinung der gelehrten Welt diesen Darlegungen wird zustimmen können.“

DAVID HUME: AN ABSTRACT OF A BOOK lately Published; entituled, A TREATISE OF Human Nature,  &c., PREFACE. Im englischen Orginal nachzulesen bei http://www.davidhume.org/





Hinsehen

Hume erläuterte vor 250 Jahren die Vorteile seiner „offensichtlichen Philosophie“ gegenüber der „verborgenen“: Die „offensichtliche“ Philosophie will dem Menschen der Gegenwart „Modelle menschlicher Ganzheit“ an die Hand geben, die dem Handeln dienen können. Sie möchte dazu „den Schatz der Kenntnisse“ durch das eine oder andere bereichern.

Die Ergebnisse seiner Schatzsuche hat Hume auf der Basis von medizinischen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen seiner Zeit und durch die ‚experimentelle Methode des Nachdenkens, Überlegens und Reflektierens‘ in seiner „Abhandlung über die menschliche Natur“ ausführlich und auf das wesentlichste beschränkt in seiner „Untersuchung des menschlichen Verstandes“ veröffentlicht.

Hume hat sich über traditionelle Sichten hinweggesetzt, weil sie aus seiner Sicht alte Sichtweisen zementierten, anstatt neue zu ermöglichen. Das was er dabei gefunden hat und wie er vorgegangen ist, kann helfen, Menschliches im Sinne einer Ganzheit authentisch zu optimieren.

Bekannt ist seine differenzierte Sicht auf die als Wissen gehandelte  Selbstverständlichkeit „Kausalität“. Leider haben ihm andere unterstellt, eine neue Kausalitätstheorie entwickelt zu haben. Ihm jedoch war aus meiner Sicht daran gelegen, herauszufinden, wie Menschen zu einer für gewiss gehaltenen Auffassung kommen, für die aus seiner Sicht jede Grundlage in der Sache fehlt.

Sein ausgeprägter Sinn für das Hinsehen auf die Sache kann anregen, die eigenen Sichten auf Sachen und Ereignisse in den Blick zu nehmen.