Enquiry VII deutsch

David Hume:

Untersuchung ueber den menschlichen Verstand

Transposition: Monika Wirthgen

Sektion VII.: Ueber den Begriff der notwendigen Verknuepfung.

Teil I.

(1) Die mathematischen Wissenschaften haben den humanen gegenueber den grossen Vorteil, dass ihre Ideen nachvollziehbar, immer eindeutig und bestimmbar sind, jeder kleinste Unterschied sich augenblicklich bemerkbar macht und die gleichen Bezeichnungen – bar jeder Mehrdeutigkeit und Abweichungen – die gleichen Ideen ausdruecken. Ein Oval verwechselt man nie mit einem Kreise, und eine Hyperbel nicht mit einer Ellipse. Das gleichseitige und ungleichseitige Dreieck sind durch Grenzbestimmungen getrennt, schaerfer, als die zwischen Laster und Tugend, Recht und Unrecht. Jede bereits definierte geometrische Bezeichnung kann man sofort und immer durch deren Definition ersetzen. Hat man keine Definition zur Hand, kann der Gegenstand sinnlich anschaulich gemacht und so klar und sicher erfasst werden.

Die fluechtigeren Wahrnehmungen eines Menschen, sowie die Vorgaenge, die bestimmte Sichtweisen erzeugen, als auch die vielfaeltigen Einfluesse unserer Beduerfnisse und Neigungen,– auch wenn es im Einzelnen deutlich merkbare Unterschiede gibt – entziehen sich uns, wenn wir sie reflektierend untersuchen moechten. Ja, es gelingt uns nicht einmal, sie uns dann zu vergegenwaertigen, wenn wir einen triftigen Grund haben, darueber nachzudenken. Auf diese Weise sind unsere UEberlegungen zunehmend mehrdeutig geworden: Aehnliches wird leicht fuer Gleiches gehalten und schliesslich geht das Ergebnis sehr weit ueber das hinaus, was wir uns vorgenommen hatten.

(2) Im Moment– so behaupte ich – spricht trotzdem nichts dagegen davon auszugehen, dass – wenn wir diese Wissenschaften in korrekter Weise untersuchen – sie ihre jeweiligen Vor- und. Nachteile einander ebenbuertig machen koennten. Auch wenn die Ideen der Geometrie eindeutig und bestimmbar sind, bedarf es eines laengeren und schwierigen Weges von einer Schlussfolgerung zu naechsten, um die schwer verstaendlichen Wahrheiten zu erreichen, von denen diese Wissenschaft ausgeht. Auch wenn Ideen ueber die menschliche Natur – falls wir nicht aeusserst umsichtig vorgehen – Gefahr laufen, Unverstaendnis und Verwirrung zu stiften, so ist im Verlauf derartiger Untersuchungen andererseits die Anzahl der zu durchlaufenden Schritte zwischen Ausgangspunkt und abschliessender Schlussfolgerung viel geringer, als in den Wissenschaften, die es mit messbaren Groessen und Anzahlen zu tun haben.

Fast jede Aussage der Euklidischen Geometrie, besteht aus mehr Teilen, als man in einer vollstaendig stimmigen Erlaeuterung ueber die menschliche Natur finden kann. Beruecksichtigen wir dann noch, wie frueh die Natur allen unseren Untersuchungen betreffs Ursachen einen Riegel vorschiebt – sodass uns nichts weiter bleibt, als unsere Unkenntnis zu akzeptieren – , koennen wir sehr zufrieden damit sein, mit wenigen Schritten Muster menschlichen Denkens aufgespuert zu haben.

. In den mathematischen Wissenschaften dagegen scheinen entscheidende Hindernisse der Weiterentwicklung die langwierigen Schrittfolgen (auf dem Weg zum Ergebnis) und das umfaengliche Gedankengebaeude, dessen man bedarf, um zu einem Schluss zu kommen. Unsere Weiterentwicklung der Naturwissenschaften wird moeglicherweise dadurch behindert, dass – selbst bei hoechst ausdauernder und sorgfaeltiger Untersuchung – relevante Experimente und Phaenomene oft nur zufaellig und auch nicht immer dann, wenn man sie braucht, zur Verfuegung stehen.

Die Forschungen ueber die menschliche Natur scheinen bisher eine geringer ausgepraegte Weiterentwicklung als die Forschungen der Geometrie und Physik erfahren zu haben. Wenn meine Einschaetzung zutrifft, dass der Unterschied zu den (Forschungen der) beiden anderen Wissenschaften darin besteht, dass es (dieser Wissenschaft) an entsprechender Sorgfalt und Koennen mangelt, koennte man daraus folgern, dass die Schwierigkeiten, die der Weiterentwicklung der Humanwissenschaften im Wege stehen, moeglicherweise durch eine diesbezuegliche Verbesserung ausgeraeumt werden koennen.

(3) Im Folgenden moechte ich darstellen, welche Ergebnisse zu erreichen sind, wenn man meinen Vorschlaegen folgen moechte. Es gibt in den metaphysischen Wissenschaften Ideen wie ‚Macht’, ‚Kraft’, ‚Energie’ oder ‚notwendige Verbindung’, Wir benutzen diese Ideen in unseren Untersuchungen staendig. Sie haben aber den Nachteil, dass sie ungeklaerter und ungenauer sind, als jede andere Idee. Deshalb moechten wir es in diesem Abschnitt unternehmen, so genau wie moeglich herauszuarbeiten, worauf diese Termini hinweisen. (Moeglicherweise) koennen wir so einige Unklarheiten beseitigen, die in dieser philosophischen Sparte sehr beklagt werden.

(4) Es scheint so, dass folgender Behauptung kaum widersprochen werden kann (– es sei denn, man moechte Offensichtliches bestreiten): Alle unsere Ideen sind ausnahmslos Nachahmungen unserer ‚impressions’. Daher scheint es uns nur moeglich, etwas zu denken, was wir vorher entweder durch aeussere oder innere Sinne wahrgenommen haben. Ich habe mich im Abschnitt II darum bemueht, diese Sichtweise zu erlaeutern und nachpruefbar darzustellen. Ich hoffe, dass – wenn Menschen diese sich gruendlich zu eigen machen – sie in philosophischen Forschungen groessere Klarheit und Genauigkeit erreichen, als es ihnen bisher moeglich gewesen ist.

Von komplexen Ideen kann man sich gut mit Hilfe von praezisen Bestimmungen ein Bild machen, weil jene lediglich die einzelnen Teile oder einfachen Ideen auflisten, aus denen die komplexen Ideen gebildet wurden.

Wie aber koennen wir uns helfen, wenn wir – nachdem wir zu den praezisen Bestimmungen der einfachsten Ideen vorgestossen sind – immer noch Mehrdeutigkeit und Unklarheit vorfinden? Welche Technik koennen wir verwenden, um diese Ideen vollstaendig zu verdeutlichen und uns allen eine insgesamt praezise und fest umrissene Vorstellung davon zu geben?

(5) Mein Rat ist: Verschaffen wir uns die Impressionen oder urspruenglichen Empfindungen, von denen diese Ideen herruehren. Diese sind alle kraftvoll und wahrnehmbar. Sie sind eindeutig. Sie zeigen nicht nur sich selbst vollstaendig, sondern sie erhellen auch die mit ihnen verbundenen, im Dunkeln liegenden Ideen.

(6) So erhalten wir (– indem wir uns erinnern -) eventuell ein neues Mikroskop, sozusagen eine neue Gattung optischer Instrumente, mit denen in den Humanwissenschaften die geringsten und einfachsten Ideen so stark vergroessert werden koennten, dass sie leicht vorgestellt und auch genauso deutlich werden koennen wie die bedeutendsten und augenfaelligsten Ideen. Diese koennen wir dann untersuchen.

Um uns gruendlich ueber die Idee ‚Macht’ oder. ‚notwendige Verbindung’ kundig zu machen, sollten wir dann die Impression ueberpruefen, die die Idee nachahmt. Damit wir diese um so sicherer finden, sollten wir ferner jede nur denkbare Quelle aufsuchen, aus der diese Impression hervorgegangen sein koennte.

Wenn wir aeussere Gegenstaende hinsichtlich der Wirksamkeit von Ursachen betrachten, stellen wir fest, dass wir in keinem einzigen Moment unserer Beobachtung irgendeine Macht oder notwendige Verbindung zwischen diesen Gegenstaenden – und auch keine Eigenschaft – entdecken koennen, die die Wirkung an die Ursache bindet und so deren unvermeidliche Folge waere.

Wir stellen lediglich fest, dass ein Ereignis tatsaechlich unmittelbar dem anderen folgt. Zum Stoss der einen Billardkugel gesellt sich die Bewegung der anderen. Das ist alles, was sich den aeusseren Sinnen darbietet.

Der Mensch hat auch keine Empfindung oder eine innere Impression dieser Aufeinanderfolge von Ereignissen: Kein einziges besonderes Ereignis von Ursache und Wirkung eignete sich als Anhaltspunkt, daran die Idee der Macht oder notwendigen Verbindung knuepfen zu koennen.

(7) Wir koennen (auch) niemals vorher vermuten, welche Wirkung ein Ereignis haben wird, wenn wir es zum ersten Mal sehen. Waere es dem Menschen moeglich, Macht oder Energie einer Ursache zu entdecken, so waeren wir auch in der Lage, seine Wirkung vorauszusehen, selbst wenn wir bisher keine Erfahrung mit vergleichbaren Dingen gehabt haetten. Ferner waeren wir in der Lage, allein durch Nachdenken sofort und sicher zu sagen, welche Wirkung eintreten wird.

(8)Kein Gegenstand enthuellt uns durch eine seiner sinnlichen Eigenschaften irgendeine Macht oder Energie. Er liefert uns keinen Grund zu vermuten, dass er irgendetwas veranlassen oder in Gang setzen koenne, das wir ihm als seine Wirkung zuschreiben koennten.

Eigenschaften wie Festigkeit, Ausdehnung und Bewegung stehen fuer sich selbst und weisen von sich aus auf kein anderes Ereignis hin, das von ihnen ausgehen koennte. Die Kulissen des Universums werden kontinuierlich verschoben, ein Ding folgt dem anderen in ununterbrochener Abfolge. Die Macht oder Kraft aber, die diese ganze Maschine antreibt, ist uns voellig verborgen und zeigt sich niemals durch irgendeine wahrnehmbare Eigenschaft der physischen Dinge.

Hitze ist ein staendiger Begleiter einer Flamme. Das kennen wir. Es gibt aber keinen Anhaltspunkt, von dem aus wir begruendbare Vermutungen und Vorstellungen ueber den Zusammenhang zwischen Flamme und Hitze anstellen koennten. D.h. auch unsere aus Erfahrung (stammenden Kenntnisse) von einzelnen Funktionsweisen physischer Dinge, geben uns keinen Anhaltspunkt fuer die Idee der ‚Macht’. (Wir koennen also sagen:) Nichts, was wir wahrnehmen koennen, hat uns bisher irgendeine Macht enthuellen koennen, die der Grund fuer diese Idee sein koennte.*

* Anmerkung: Locke meint in seinem Kapitel ueber Macht: Wenn wir durch Erfahrung herausfinden, dass Physisches Veraenderungen unterliegt, schlussfolgern wir, dass es irgendwo in der Physis eine Macht geben muesse, die diese hervorbringt. UEber derartige Schlussfolgerungen gelangen wir schliesslich zur Idee der Macht. – Da Locke aber selbst einraeumt, dass Schlussfolgern zu keinerlei neuen, urspruenglichen, noch so einfachen Ideen fuehrt, so kann dies nicht der Grund fuer jene Idee sein.

(9)Da uns weder die Wahrnehmung (der Eigenschaften) physischer Gegenstaende noch deren besondere Funktionen eine Idee von Macht bzw. notwendiger Verbindung liefern, wollen wir uns nun ansehen, ob diese Idee moeglicherweise der Reflexion ueber Funktionen unseres eigenen Denkens entstammt und daher die Nachahmung einer inneren Impression sein koennte. Eine moegliche Antwort koennte folgendes sein: Wir sind in jedem Moment (unseres Handelns) von der Anwesenheit einer inneren Macht ueberzeugt. Wir fuehlen (nehmen wahr), dass wir durch einen einfachen Befehl unseres Willens, Koerperteile bewegen und unsere Gedanken lenken koennen. Aus eigenem Antrieb erzeugen wir so Bewegungen in unseren Gliedern oder erfinden neue Ideen. Weil wir uns dessen bewusst sind (- wie wir sagen -) kennen wir den Einfluss unseres Willens. Auf diese Weise erwerben wir die Idee der Macht oder Energie. und dies macht uns sicher, dass wir und andere intelligente Wesen Macht besitzen. Diese Idee ist also eine Idee des Nachdenkens. Denn sie entsteht indem wir Funktionen unseres Denkens und die Befehlsgewalt reflektieren, die der Wille ueber Koerperorgane und seelische Kraefte ausuebt.

(10) Wir fahren fort, indem wie diese Behauptung naeher ueberpruefen. Zuerst wenden wir uns der Aussage zu, dass der Wille Einfluss auf die koerperlichen Organe habe. Diesen Einfluss halten wir fuer eine Tatsache – so wie andere Naturereignisse auch -, die wir aus Erfahrung gut kennen. (Es zeigt sich aus Erfahrung) dass dieser Einfluss niemals vorhersehbar ist. Es zeigt sich keine ursaechliche Energie oder Macht, die den Willen mit der Wirkung verbindet und daher eine zwangslaeufige Folge des einen aus dem anderen nahe legte. Wir sind uns (lediglich) in jedem Augenblick bewusst: Die Bewegung unseres Koerpers folgt der Befehlsgewalt unseres Willen. Aber das wodurch dieses bewirkt wird, die Energie durch welche eine solch aussergewoehnliche Leistung erbracht wird, die ist uns nicht unmittelbar zugaenglich. Ja, sie entzieht sich jeder noch so sorgfaeltigen Erforschung.

Hume schildert nun 3 Aspekte, die den Leser dazu veranlassen koennen, das eben von ihm Behauptete zu ueberpruefen und sich ein eigenes Bild zu machen.

(11) Erstens: (Es ist ueblich davon auszugehen,) dass es eine Verbindung zwischen Seele und Koerper gibt. Weiter wird behauptet, dass diese Verbindung einer unterstellten geistigen Substanz einen Einfluss auf Physisches dergestalt ermoegliche, dass ein gewichtsloser, unsichtbarer Gedanke grosse Koerperteile bewegen koenne. Meiner Meinung nach, duerfte die dazu notwendige Macht, ungewoehnliche Faehigkeiten voraussetzen und ausserdem unsere Vorstellungskraft bei weitem uebersteigen. Genauso ungewoehnlich und unvorstellbar wie eine Macht, die uns ermaechtigte durch insgeheimes Wuenschen, Berge zu versetzen oder Umlaufbahnen von Planeten zu bestimmen. Traefe es zu, dass uns die dazu noetige Macht oder Energie bewusst waere, dann sollten wir diese (auch) kennen. Wir sollten (auch) deren Verbindung zu ihrer Wirkung kennen. Wir sollten ferner das geheime Band zwischen Seele und Koerper kennen und auch die Natur dieser beiden Substanzen, von denen die eine in der Lage sein soll, auf die andere einzuwirken.

(12) Zweitens: Wir koennen nicht alle Teile unseres Koerpers mit dieser Macht bewegen. Denn wir koennen – ausser durch Erfahrung feststellen – nicht begruenden, wieso es auffallende Unterschiede (der Wirkung dieser Macht) gibt. Warum beeinflusst der Wille Zunge und Finger, nicht aber Herz und der Leber? Derartige Fragen duerften uns kaum in Verlegenheit bringen koennen, wenn wir wuessten, wie der Einfluss des Willens im ersten Fall sich gestaltet. Wir wuessten dann naemlich – unabhaengig von unserer Erfahrung – wieso die Macht unseres Willens ueber die Teile unseres Koerpers durch bestimmte Grenzen eingeschraenkt wird. Ferner duerften wir dann praezise wissen, wieso sein Einfluss auf diese Grenzen beschraenkt ist und nicht weiter reicht.

(13) (Folgendes koennte letzteres verdeutlichen: ) Ein Mann, der ploetzlich eine Laehmung des Armes oder Beines erleidet, oder einer der kuerzlich diese Glieder verloren hat, versucht zuerst immer wieder, sie zu bewegen und sie in ueblicher Weise zu benutzen. Genauso wie ein unversehrter Mensch– der jedes gesunde und intakte Glied bewegen kann – ist er sich also bewusst, dass er die Macht hat seine Glieder zu steuern.

Traefe es zu, dass dem Menschen diese (–zu eruierende -) Macht bewusst ist, kaeme es (m.E.) nicht zu diesem irrtuemlichen Verhalten. Daraus kann man folgern: Menschen sind sich – weder in dem einen noch in dem anderen Fall – einer (derartigen) Macht bewusst. Durch Erfahrung – und zwar ausschliesslich dadurch – lernen wir zu behaupten, dass wir ueber willentlichen Einfluss verfuegen. (Zu dieser gesellt sich) die Erfahrung, die uns lehrt, dass Ereignisse bestaendig einander folgen, ohne dass sie uns ueber die verborgene Verbindung aufklaeren, die sie (– aus unserer Sicht -) aneinander bindet und sie untrennbar zusammenhaelt.

(14) Drittens: Von der Anatomie lernen wir, dass der direkte Gegenstand der Macht einer willentlich hervorzurufenden Bewegung, nicht das zu bewegende Glied selbst ist, sondern zuerst gewisse Muskeln, Nerven und ‚Lebensgeister’ (moeglicherweise weitere winzigere und unbekanntere Arten). Mit Hilfe dieser wird die Bewegung nach und nach weitergeleitet, bis sie schliesslich das Koerperteil erreicht, das das eigentliche Ziel unserer willentlichen Entscheidung ist.

Gibt es eine ueberzeugendere Bestaetigung dafuer, dass die Macht – durch die der ganze Vorgang ausgefuehrt wird – weit davon entfernt ist, uns direkt und vollstaendig durch eine innere Empfindung oder Bewusstheit bekannt zu sein? Ist sie nicht vielmehr auf hoechste Weise mysterioes und unverstaendlich? Da will ein Mensch ein bestimmtes Ereignis ausloesen. Ploetzlich – und ihm unbekannt – tritt ein anderes Ereignis ein: Gaenzlich verschieden von dem einen – das er anstrebte -, wird etwas anderes in Gang gesetzt. Dieses Ereignis wiederum erzeugt ein weiteres, das ihm gleichfalls unbekannt ist. Dies geschieht so oft, bis schliesslich – nach einer langen Abfolge von Ereignissen – das erwuenschte Ereignis geschieht.

Koennte man die urspruengliche Macht fuehlen (wahrnehmen), so muesste sie bekannt sein. Waere sie bekannt, muesste auch ihre Wirkung bekannt sein: Denn jede Macht ist bezogen auf ihre Wirkung. Auch in der Umkehrung stimmt es: Wenn die Wirkung nicht bekannt ist, dann ist es auch die Macht nicht, noch wird sie gefuehlt (wahrgenommen). Wie aber koennen wir uns einer Macht bewusst sein, die wir gar nicht haben? Wir koennen lediglich bestimmte Lebensgeister aktivieren, die – auch wenn sie moeglicherweise die Bewegung unserer Glieder veranlassen – in einer uns gaenzlich unbegreiflichen Art wirken.

(15) Aus all diesem koennen wir – ohne, so meine ich, voreilig zu sein – (ziemlich) sicher schliessen, dass unsere Idee der Macht keine Nachahmung irgend einer Empfindung oder eines Bewusstseins der Macht in uns selbst sein duerfte, waehrend wir unsere Koerperglieder dazu veranlassen, ihre natuerlichen Funktionen auszufuehren. Dass ihre Bewegungen unserem Willen folgen, entnehmen wir – wie die (behauptete) Wirkung einer Macht bei anderen Naturereignissen – der uns gemeinschaftlichen Erfahrung. Die Macht aber oder Energie, die etwas bewirkt hat, ist – wie (die vermeintlich wirkende Macht) in jedem anderen Naturereignis auch – unbekannt und unbegreiflich.*

* Anmerkung: Es koennte geltend gemacht werden, dass die Festigkeit von physischen Dingen, die oft unsere eigene Kraft aufs aeusserte fordert und unsere ganze Macht mobilisiert, uns die Idee einer Kraft oder Macht liefere. Aus dieser Sicht waere dann diese starke Anstrengung – deren wir uns selbst bewusst sind – die urspruengliche Impression, die die Vorlage fuer diese Idee sei. Dazu moechte ich zwei Aspekte anmerken: (1.) Wir unterstellen in einer Vielzahl von Faellen Macht, ohne dass dabei Widerstand oder Kraftanstrengung eine Rolle spielen. Macht nehmen wir fuer Gott an, fuer den es kein Hindernis (– aber hoechste Macht -) geben soll. Macht (soll) fuer den Menschen gelten, der seine Gedanken auf (bestimmte) Ideen und die Bewegungen seiner Koerperteile lenken kann. Beim Menschen folgt die Wirkung unmittelbar auf den willentlichen Entschluss ohne jede groessere Kraftanstrengung oder staerkere Kraftkonzentration. Wir unterstellen ausserdem eine Macht fuer unbelebte physische Gegenstaende, die zu einer bewussten Anstrengung gar nicht faehig sind. (2.) Dieses Gefuehl (Wahrnehmen) eigener Anstrengung, um einen Widerstand zu ueberwinden, hat keine (mir) bekannte Verbindung zum Ereignis(, anlaesslich dessen sie auftrat). Wir wissen aus Erfahrung, dass sie folgt, (aber wir wissen nicht, ob sie in einem noch unbekannten Fall noetig sein wird). d.h. wir kennen sie nicht a priori. Die Erfahrung grosser Anstrengungen ist unwiderlegbar, dennoch liefert sie uns keine praezise Idee von Macht. Sie trug aber dazu bei, eine einfachen, alltaeglichen Anspruechen genuegende, ungenaue Vorstellung daraus zu entwickeln.

(16) Moeglicherweise aber ist es denkbar, dass wir uns in unseren eigenen Koepfen einer Macht oder Energie bewusst sind, die sich auf unsere willentliche Entscheidung direkt bezieht. Wir koennen eine neue Idee hervorrufen, sie in unserem Kopf von allen Seiten aufmerksam betrachten und sie dann zugunsten eine anderen Idee verwerfen, wenn wir denken, dass wir sie ausreichend genau geprueft haben. Ich vermute, das – was ich bereits vorher vorgetragen habe -, duerfte ergeben, dass uns auch diese willentliche Entscheidung keine Idee der Kraft oder Energie wird liefern koennen.

(17) Zuerst sollte folgendes mit einbezogen werden: Falls wir eine Macht kennen, dann kennen wir auch den speziellen Umstand in der Ursache, durch die diese in der Lage ist die Wirkung herzustellen. Beide Aspekte – die Macht einer Ursache und deren Eigenschaft, die eine bestimmte Wirkung hervorruft – sollen gleichbedeutend aufgefasst werden. Deshalb muessten wir sowohl die Ursache, als auch die Wirkung und auch die Beziehung zwischen beiden kennen, um sagen zu koennen, dass wir die Macht kennen. Koennen wir eigentlich behaupten, dass uns die Natur des menschlichen Geistes und auch die Natur der Idee, oder die Faehigkeit des Geistes – eine Idee hervorzubringen – bekannt sind? Eine Idee zu produzieren ist eine wirkliche Kreation, quasi eine Schaffung von etwas aus nichts. Auch das implizierte (m.E.) eine derartig grosse Macht, die – so scheint es wenigstens auf den ersten Blick – ausserhalb der Reichweite eines endlichen Lebewesens angesiedelt sein duerfte. Eines muesste aber jetzt schon zugestanden werden koennen: Eine derartige Macht wird weder vom Menschen gefuehlt (wahrgenommen), noch ist sie ihm begreiflich. Was wir fuehlen (wahrnehmen), ist lediglich das Ereignis, naemlich das Hervortreten einer Idee, die der Willensentscheidung folgt. Wie diese Leistung erbracht wurde, d.h. die Macht, die diese hervorgebracht hat, liegt gaenzlich ausserhalb unserer Auffassung.

Anmerkung zu Abschnitt 17.

(1) Entsprechend diesen Erlaeuterungen und Bestimmungen gilt fuer die Vorstellung von ‚Energie‘ bzw. ‚Kraft‘ in gleichem Masse wie fuer die der ‚Ursache‘, dass sie auf die Vorstellung ‚Wirkung‘ hinweisen bzw. auf ein weiteres konstant begleitendes Ereignis. Wenn wir die unbekannten Umstaende eines Ereignisses, dessen Grad und Ausmass seiner Wirkung fest und bestimmbar ist, betrachten, bezeichnen wir diese Umstaende mit Worten wie ‚Energie‘ bzw. ‚Kraft‘. Doch wenn dieses Ereignis uns angeblich eine Vorstellung von ‚Energie‘ bzw. ‚Kraft‘ vermittelt, die in ihm selbst liegen soll, warum koennen wir diese Energie nicht an ihm messen? Der Streit darueber, ob die Kraft eines Koerpers in Bewegung seiner Geschwindigkeit entspreche oder sogar mit ihr uebereinstimme, dieser Streit meine ich, sollte nicht durch den Vergleich der Geschwindigkeiten dieses Koerpers innerhalb von festen Zeiten mit. unterschiedlich langen Zeitabstaenden entschieden werden, sondern durch direkte Messungen am Gegenstand selbst und dem Vergleich mit den Geschwindigkeitsmessungen erfolgen.

(2) Fuer die Woerter wie ‚Macht‘, ‚Energie‘ bzw. ‚Kraft‘ u.a. – die sowohl alltaeglich als auch in der Wissenschaft im Gebrauch sind – gilt, dass wir zu keinem Zeitpunkt einen konkreten Anhaltspunkt fuer das verbindende Prinzip zwischen Ursache und Wirkung kennen, oder gar detaillierte Rechenschaft darueber ablegen koennten, wie das eine Ereignis das andere bewerkstelligt. Diese gemeinschaftlich benutzten Woerter subsumieren sehr weitreichende Bedeutungen. Ausserdem sind die Vorstellungen und Gedanken, die damit verbinden werden, sehr fragwuerdig und verworren.

[Vermutlich bezieht sich der Gebrauch der Woerter ‚Macht‘, ‚Energie‘ bzw. ‚Kraft‘ u.a. auf folgendes:] Kein Lebewesen kann andere Koerper bewegen, ohne koerperliche Anstrengung zu empfinden. Ausserdem kann jedes Lebewesen den Schlag oder den Stoss eines Dinges empfinden oder wahrnehmen, das sich bewegt. Diese ausschliesslich koerperlichen ’sensations‘ (‚Sensoriertes‘) – die wir a priori nicht erschliessen koennen – veranlassen uns Vergleichbares auf unbelebte Objekte und Ereignisse zu uebertragen und anzunehmen, dass diese AEhnliches sensorieren, wenn sie etwas in Bewegung setzen, bzw. von etwas getroffen werden, das sich bewegt. Verzichten wir jedoch darauf, irgendeine menschliche Vorstellung ueber Verbindungen zwischen Bewegungen auf Wirkungen physikalischer Energien anzuwenden, haben wir lediglich die regelmaessig erfahrbare Aufeinanderfolge von Ereignissen. Indem wir unsere Wahrnehmungen auf aeussere Ereignisse uebertragen, transferieren wir eine uns allen vertraute Verbindung zwischen Vorstellungen, die unsere Sensoren ermoeglichen. [Dies ist ein ganz normaler Vorgang.] Wir Menschen uebertragen unsere erinnerbaren ’sensations‘ (Wahrnehmungen, Empfindungen) auf Dinge ausserhalb von uns zu, wenn diese uns Veranlassung dazu bieten.

(18) Zweitens: Die Befehlsgewalt des Geistes ueber sich selbst ist – genauso wie die ueber den Koerper – begrenzt. Diese Grenzen zeigen sich weder durch Nachdenken noch durch irgendeine Kenntnis ueber die Natur von Ursache und Wirkung, sondern nur durch Erfahrung und Beobachtung, wie bei allen anderen Naturereignissen und dem Funktionieren physischer Dinge auch. Unsere Kontrolle ueber unsere Gefuehle (Wahrnehmungen) und Leidenschaften ist zudem noch schwaecher als die ueber unsere Ideen. Letztere ist sogar sehr eng begrenzt. Kann irgendjemand behaupten, den ausschlaggebenden Grund fuer diese Grenzziehungen nennen zu koennen? Oder kann irgendjemand darstellen, weshalb (unsere) Macht in einem Falle versagt und in einem anderen nicht?

(19)Drittens: Diese Selbstkontrolle funktioniert zu unterschiedlichen Zeiten sehr unterschiedlich. Ein gesunder Mensch besitzt mehr davon als einer, der durch Krankheit geschwaecht ist. Am Morgen beherrschen wir unsere Gedanken besser als am Abend. Wir denken besser, wenn wir fasten, als nach einer saettigenden Mahlzeit. Koennen wir – ausser weil wir ihn erfahren haben – irgendeinen Anlass fuer diese Abweichungen angeben? Was ist los mit der Macht, von der wir behaupten, dass wir uns ihrer bewusst sind? Koennte es nicht auch sein, dass entweder in einer denkbaren geistigen oder physischen Substanz oder in beiden, ein verborgener Mechanismus oder ein Bauteil – uns gaenzlich unbekannt – sich befindet, von dem die Wirkung unserer Selbstkontrolle abhaengt, weshalb uns die Macht oder Energie unseres Wollens gleichfalls unbekannt und unbegreiflich ist?

(20) Moeglicherweise ist unser Wollen eine Aktivitaet mit der wir wohl vertraut sind. Denke darueber nach, betrachte sie von allen Seiten: Findest Du etwas in Art dieser Schoepfermacht, die aus dem Nichts eine Idee erweckt? Und findest Du etwas in der Art des FIAT, das die Allmacht seines Bildners nachahmt – wenn es mir ueberhaupt erlaubt ist so zu sprechen – der alle Naturphaenomene ins Leben gerufen hat? Die Unkenntnis unseres Willens verlangt nach einer zuverlaessigen Erfahrung, von der Art, wie wir sie besitzen, um uns davon zu ueberzeugen, dass derart ungewoehnliche Wirkungen das Ergebnis eines einfachen Willensaktes sind.

(21) Es faellt den meisten Menschen leicht, allgemein bekanntere und vertraute Naturvorgaenge zu erklaeren. Phaenomene wie das Fallen schwerer Koerper, das Pflanzenwachstum, die Fortpflanzung von Tieren oder Ernaehrung und Verdauung. Die Menschen gehen dabei jeweils davon aus, dass sie in all diesen Faellen die eigentliche Kraft oder Energie einer Ursache wahrnehmen, durch die letztere mit ihrer Wirkung verbunden ist. Ferner gehen sie davon aus, dass die Kraft bzw. Energie diese Vorgaenge auf die immer gleiche Weise fehlerfrei bewerkstelligt. Derartige Sichtweisen haben Menschen durch lange Gewohnheit erworben. Sobald die bestimmte Ursache erscheint, erwarten sie sicher und ohne zu zoegern den ueblichen Ablauf. Sie sind nur mit Muehe davon zu ueberzeugen, dass auch andere Wirkungen – ausser den von ihnen erwarteten – moeglich sein koennten.

Nur dann wenn ungewoehnliche Phaenomene Erklaerungsbedarf entstehen lassen – wie bei Erdbeben, Pestseuchen und Wundern aller Art – haben Menschen Schwierigkeiten, die eigentliche Ursache zu bezeichnen und die Art und Weise zu erklaeren, wie jene die jeweilige Wirkung bewerkstelligt. Bei solchen Schwierigkeiten greifen Menschen ueblicherweise auf ein unsichtbares geistiges Prinzip als unmittelbare Ursache des sie ueberraschenden Ereignisses zurueck, das nicht zu den normalen Naturkraeften gerechnet werden kann. Philosophen, deren Focus groesser ausfaellt, bemerken sofort, dass die Energie einer Ursache –angefangen von den gewoehnlichsten bis hin zu den ungewoehnlichsten Ereignissen – jedes Mal unsichtbar ist. Diese Philosophen stellen ausserdem fest, dass wir durch Erfahrung lediglich die haeufigsten Konstellationen von Objekten kennen lernen – ohne jemals ein Art von Verbindung zwischen ihnen zu erfassen.

Viele Philosophen – die sich der Vernunft verpflichtet fuehlen – meinen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf das gleiche Prinzip zurueckgreifen zu sollen, das normale Menschen nur fuer wundersame und uebernatuerliche Faelle gelten lassen moechten. Sie halten den Willen und die geistige Flexibilitaet (Gottes) nicht nur fuer die hoechste und letzte Ursache aller Dinge, sondern auch fuer die einzigste Ursache jedes einzelnen Ereignisses, das sich in der Natur zeigt. Sie behaupten, dass die allgemein als Ursachen bezeichneten Dinge eigentlich nichts anderes als Gelegenheiten (fuer das Eingreifen Gottes) seien. Nicht irgendeine natuerliche Macht, sondern der Wille des Hoechsten Wesens sei das eigentliche und wirkliche Prinzip, das Wirkungen erzeuge. Gott will, dass jedes einzelne Ding fuer alle Zeiten mit einem anderen fest verbunden ist. Anstatt zu sagen, eine Billardkugel bewege die andere mit Hilfe einer Kraft, die vom Schoepfer der Natur stamme, sagen sie, es sei Gott selbst, der die zweite Kugel kraft eines bestimmten Willensaktes in Bewegung setze. Diese willentliche Aktion werde ausgeloest durch den Vorgang des vorangehenden Kugelstosses und geschehe in UEbereinstimmung mit den allgemein gueltigen Naturgesetzen, die er selbst fuer die Fuehrung des Universums festgelegt habe.

Aber auch diesen Philosophen bleibt bei ihren Forschungen nicht verborgen, dass wir Menschen in voelliger Unkenntnis ueber die Macht sind, die die wechselseitigen Bewegungen physischer Dinge ausloest; dass wir nicht weniger unwissend ueber die Macht sind, die es dem Menschen ermoeglicht seinen Koerper zu kontrollieren. (Sie teilen mit uns die Sicht), dass wir weder durch die Sinne noch durch unser Bewusstsein auch nur in einem einzigen Fall das ausschlaggebende Prinzip (eines Geschehens) aufzeigen koennen. Diese Unwissenheit, die wir mit ihnen teilen, veranlasst sie zu den gleichen Schluessen, wie schon oben dargestellt. Sie versichern, dass Gott die unmittelbare Ursache fuer die Verbindung zwischen Koerper und Seele sei. Sie versichern weiter, dass nicht unsere Sinnesorgane angeregt durch aeussere Dinge Empfindungen im Geist hervorrufen. Gott selbst sei es, der durch sein unmittelbares willentliches Eingreifen in unserem Geist – angeregt durch die Bewegungen in den Sinnesorganen – damit im Zusammenhang stehende Empfindungen weckt, In aehnlicher Weise erklaeren sie auch, dass wir keine willentliche Verfuegungsgewalt ueber unsere Koerperglieder haben. Es sei Gott (so fahren sie fort), dem es gefaellt unseren machtlosen Willen zu unterstuetzen, damit wir Bewegungen steuern und kontrollieren koennen, was wir dann irrtuemlicherweise unserer Macht und unsere Wirksamkeit zuschreiben. Doch begnuegen sich diese Philosophen damit nicht. Sie dehnen diese Schlussfolgerungen manchmal auf das Innere des Geistes und seine Funktionen aus. Unsere geistigen Vorstellungen oder unsere Ideengebaeude sind aus ihrer Sicht nichts weiter als fuer uns angefertigte Enthuellungen Gottes. Es ist nicht unser Wille, der unsere Gedanken willentlich auf einen Gegenstand richtet und, der es ermoeglicht, eine Vorstellung zu erfinden, Es ist nicht unser Wille, der Ideen schafft. Nein, es ist der Schoepfer des Universums, der sie uns enthuellt und gegenwaertig macht.

(22) Folgt man diesen Philosophen, so ist alles von Gott erfuellt. Prinzipien wie, dass es nichts gibt, ausser Gott will es oder dass wir nur so viel Macht besitzen, wie Gott uns einraeumt, scheinen ihnen nicht ausreichend. Sie rauben (m.E.) sowohl der Natur als auch allen anderen Geschoepfen jede eigene Macht, um ihre eigene Abhaengigkeit von Gott mit Worten ueberzeugender und direkter mitteilen zu koennen.

Sie beruecksichtigen aber nicht, dass sie mit Hilfe dieser Theorie die Bedeutung jener Attribute– die sie so gern hochhalten moechten – verkleinern, anstatt sie zu vergroessern.

Vermutlich spraeche es eher fuer die Macht Gottes, den untergegebenen Geschoepfen ein gewisses Mass an Macht zu uebertragen, als alles durch unmittelbares eigenes Eingreifen selbst auszurichten. Es spraeche vermutlich auch eher fuer die Weisheit Gottes, dass die erfindungsreiche Konstruktion der Welt – vor allem da sie unter seiner vollkommenen Voraussicht erfolgte – allen zu erwartenden Aufgaben auf Grund ihrer eigenen Funktionstuechtigkeit jederzeit angemessen dienen duerfte. Statt dessen (reden diese Philosophen davon), dass der grosse Schoepfer in jedem einzelnen Moment dafuer sorgen muesse, die Teile neu auszurichten und durch seinen Atem alle Raeder dieser uebergrossen Maschine am Laufen zu halten.

(23) Fuer den Fall dass jemand philosophische Irrtuemer aus dieser Theorie bevorzugt, koennten eventuell die zwei folgenden Gedanken dienen.

(24) Zuerst: Es handelt sich um eine Theorie ueber die allumfassende Energie und Vorgehensweise des hoechsten Wesens. Fuer einen Menschen, wie mich, der die engen Grenzen und die Schwaechen der menschlichen Vernunft – einschliesslich aller ihrer Funktionen – ausreichend einzuschaetzen gelernt hat, ist sie ausserdem zu gewagt, um ueberzeugen zu koennen.

Selbst wenn diese Kette der Behauptungen logisch waere, duerfte sich der ernste Verdacht – wenn nicht gar vollkommene Gewissheit erheben – dass diese Theorie uns voellig ueber unsere Faehigkeiten hinaustraegt, waehrend sie uns – weit ab vom alltaglichen Leben und unserer Erfahrung – zu aussergewoehnlichen Ergebnissen fuehrt. Lange bevor wir die letzten Schritte dieser Theorie erreicht haben, sind wir schon im Maerchenland angekommen. Und in diesem Land gibt es keinen Grund weshalb jemand unseren ueblichen begruendenden Verfahrensweisen trauen oder unseren gewoehnlichen Vergleichen und abzusehenden Moeglichkeiten irgendein Gewicht beilegen sollte.

Wir koennten uns der UEberzeugung hingeben, dass wir bei jedem Schritt, den wir unternehmen, durch die Aussicht auf die Moeglichkeit, dass es so sein koennte und eine Art von Erfahrung gefuehrt werden. Doch wir sollten uns versichern lassen, dass diese phantasierte Erfahrung kein Gewicht haben duerfte, wenn sie auf etwas angewendet wird, das vollstaendig ausserhalb unseres Erfahrungshorizontes liegt.

(25) Es ist mir nicht gelungen, irgendetwas UEberzeugendes zu entdecken, auf das sich diese Theorie gruendet. (Ich teile die Ansicht,) dass wir keine Kenntnis davon haben, wie Koerper wechselseitig wirken: Ihre Kraft oder Energie (– so hatte ich erlaeutert -) scheint gaenzlich unbegreiflich. Doch wir sind genauso in Unkenntnis darueber, wie und wodurch etwas Geistiges, auch das hoechste Geistige sich selbst oder physische Dinge steuern kann. Ich frage, (meine Leser), wo haben wir die Idee dieser Kraft ueberhaupt her? Wir Menschen (scheinen) selbst weder eine Wahrnehmung noch ein Bewusstsein dieser Macht zu haben. Wir haben (schliesslich) fuer die Idee des Hoechsten Wesens nur das zur Hand, was wir durch Reflexion unserer eigenen Faehigkeiten lernen.

Unserer Unkenntnis ueber diese Macht koennte ein guter Grund sein, das alles zurueckzuweisen. Wir sollten es uns zum Prinzip machen, jede Behauptung ueber Energie zurueckzuweisen, sowohl im Hinblick auf das Hoechste Wesen, als auch im Hinblick auf die undurchdringlichsten physischen Dinge, (weil wir diese Energie nicht kennen). Wir begreifen genauso wenig die Wirksamkeit des Hoechsten Wesens, wie die der physischen Dinge. Was, (lieber Leser), ist schwieriger vorstellbar, dass der Stoss einer Billiardkugel oder unser Wille eine Bewegung hervorrufen koennte, * Wir kennen in beiden Faellen nur unsere ausgepraegte Ignoranz.

*Anmerkung: Es scheint mir nicht noetig, [den Terminus) ‚Traegheit’ der Materie – worueber in der neuen Wissenschaft so viel gesprochen wird – ausfuehrlich darauf hin zu ueberpruefen, Durch Erfahrung haben wir entdeckt, dass ein Koerper sowohl in Ruhe als auch in Bewegung seinen gegenwaertigen Zustand immer solange beibehaelt, bis durch einen neuerlichen Anlass eine AEnderung eintritt. Wir haben auch herausgefunden, dass ein angestossener Koerper dem stossenden Koerper so viel Bewegung wegnimmt, wie er erhaelt. Das sind Tatsachen. Wenn wir nun von ‚Traegheitskraft’ reden, bezeichnen wir (mit diesem Terminus) ausschliesslich diese Tatsachen. Eine irgendwie geartete Idee einer inneren Kraft stellen wir so nicht zur Verfuegung. Dies ist vergleichbar unserer Redeweise ueber ‚Gravititaet’: Auch hier handelt es sich um Folgen von Anlaessen, ohne dass wir die dabei wirkende Kraft mit einschliessen. (Ich meine damit nicht), dass Sir Isaac Newton ausser Gott allen anderen Anlaessen kraftvolle Wirksamkeit absprechen wollte, wie einige seiner Nachfolger dies getan haben. Sie haben im Hinblick auf seine behauptete wissenschaftliche Urheberschaft eine entsprechende Theorie begruenden wollen. Im Gegenteil, dieser grosse Wissenschaftler hat eine Art aetherisches, wirksames Fluidum unterstellt, um seine Annahme einer allgemeinen Anziehung zu erklaeren. Doch er war vorsichtig und bescheiden genug einzugestehen, dass (sein Terminus) Gravitaet nicht mehr als eine Hypothese bezeichne, auf der er ohne weitere Experimente nicht bestehen werde.

Es ist mir schon oft aufgefallen, dass das Schicksal UEberzeugungen (- vor allem, wenn es sich um die anerkannter Autoritaeten handelt -) manchmal merkwuerdige Wege nehmen laesst. Da hatte (unter anderen) Descartes – ohne darauf bestehen zu wollen – diese bekannte Lehre von der umfassenden und einzigen Wirksamkeit Gottes (in seine Philosophie) einfliessen lassen. In der Folge haben Malebranche und andere Cartesianer dies zum Anlass genommen, um diese als (durch Descartes abgesicherte) Begruendung ihrer Philosophie zu verwenden. In England war diese Lehre nie von derartiger Bedeutung. Locke, Clarke, und Cudworth nahmen sie wenig zur Kenntnis, doch vermuteten sie schon immer, dass physischen Dingen eine wirkliche – wenn auch untergeordnete und abgeleitete – Kraft inne wohne. Wie aber, (lieber Leser), kam es, dass diese ‚Traegheitskraft’ unter den modernen Metaphysikern eine derartige Geltung erfahren hat?

Teil II.

(26) Ich denke, es wird Zeit, dieses Thema abzuschliessen. Es hat sich (fuer meinen Geschmack) viel zu sehr in die Laenge gezogen. Wir haben vergeblich nach (einem Anhaltspunkt) fuer die Idee einer ‚Macht’ oder ‚notwendigen Verbindung’ gesucht. Wir haben dabei keine Quelle ausgelassen, von der wir annehmen konnten, dass diese Idee dort entstanden sein koennte. Es scheint so, dass wir – selbst mit akribischer Sorgfalt – in keinem einzigen Moment eines naturgegebenen Vorganges zwischen Dingen etwas Derartiges entdecken koennen, (das uns darueber Aufschluss geben koennte.) Wir nehmen lediglich wahr, dass ein Ereignis dem anderen folgt. Der gleiche Mangel zeigte sich, als wir unsere (behauptete) Kontrolle ueber unseren Koerper betrachteten. Zwar koennen wir beobachten, dass die Bewegung eines Koerperteils unserem willentlichen Entschluss folgt, aber das Band, das Bewegung und Willensentscheidung verbindet oder die Energie, durch die (wir bzw.) unser Geist diese Wirkung hervorrufen, konnten wir weder wahrnehmen noch uns vorstellen. Die willentliche Steuerung unserer eigenen Faehigkeiten und Ideen ist uns kein Stueck begreiflicher geworden. Insgesamt – so scheint es -, gibt es in keinem natuerlichen Vorgang eine fuer uns wahrnehmbare Verbindung.

Alle Ereignisse scheinen voellig unverbunden und getrennt voneinander abzulaufen. (Wir koennen sagen:) Ein Ereignis folgt dem anderen. Ereignisse treten einander begleitend auf, aber niemals scheinen sie uns verbunden zu sein. Und da ja gilt, dass wir keine Idee von etwas haben koennen, was wir nicht sensorieren koennen, bleibt uns nur der unvermeidliche Schluss, dass alle diese Woerter – ob wir sie in wissenschaftlichen Eroerterungen oder im alltaeglichen Leben verwenden – voellig bedeutungslos sind.

(27) Doch es gibt noch eine Moeglichkeit, um diesen Schluss zu vermeiden. Es gibt eine Quelle, die wir bisher noch nicht in unsere UEberpruefung mit einbezogen haben. (Wie wir bereits wissen:)Ohne (entsprechende) Erfahrungen mit naturgegebenen Dingen oder Vorkommnissen, ist es uns – trotz vorheriger kluger und gruendlicher Untersuchungen – nicht moeglich zu ermitteln oder zu vermuten, welche Folgen eintreten koennten, oder im voraus konkret zu sagen, was sich aus dem ergeben wird, das unseren Sinnen und unserem Gedaechtnis direkt gegenwaertig ist. Sogar ein einzelnes Experiment, bei dem wir beobachtet haben, dass ein bestimmtes Ereignis einem anderen folgt, ermoeglicht es uns nicht, eine allgemein gueltige Regel aufzustellen oder vorherzusagen, was in vergleichbaren Faellen passieren wird. Ja, es gilt (unter Wissenschaftlern) geradezu als unentschuldbare Unbesonnenheit, einen natuerlichen Ablauf auf der Grundlage eines einzigen Experimentes zu beurteilen, auch wenn es noch so korrekt und gewissenhaft durchgefuehrt wurde. Wenn allerdings ein bestimmtes Ereignis immer und jederzeit begleitet von einem anderen auftritt, haben wir keine Bedenken mehr vorauszusagen, was eintreten wird, wenn der bestimmte Anlass wieder auftaucht. (Diese Erfahrung veranlasst uns,) Gebrauch von (gewohnten) Schlussfolgerungen zu machen , die uns im Hinblick auf Aussagen ueber Tatsachen oder Geschehnisse, Sicherheit geben. Wir nennen dann den Anlass URSACHE und die Folgen WIRKUNG. Wir unterstellen damit (erstens), dass es eine Verbindung zwischen beiden gibt; (zweitens), dass die Ursache ueber die Macht verfuegt, eine bestimmte Wirkung hervorzurufen und (drittens), dass dieses Geschehen mit absoluter Zuverlaesigkeit und zwingender Notwendigkeit eintreten wird.

(28) So scheint es, dass diese Idee einer notwendigen Verbindung sich fuer uns aus einer Vielzahl von vergleichbaren Vorgaengen ergibt, in denen bestimmte Ereignisse immer wieder gemeinsam auftreten. Ein einzelner Vorgang scheint uns diese Idee nicht nahelegen zu koennen, selbst wenn wir dabei alle nur moeglichen Aspekte und Annahmen mit einbeziehen. Heisst das, wir muessen davon ausgehen, dass eine Vielzahl von vergleichbaren Vorgaengen einen Unterschied in der Sache macht? Nein: Wir Menschen machen den Unterschied, indem wir im Zuge wiederholter Wahrnehmung vergleichbarer Vorgaenge eine Haltung (Disposition) erwerben, anlaesslich eines Ereignisses die immer gleichen gewohnten Begleitumstaende (synchrone Konstellationen) zu erwarten und auf diese Weise davon ueberzeugt zu sein, dass es so sein wird.

Diese wiederholte UEbertragung einer Vorstellung – die eine Verbindung konstatiert – von einem Ereignis auf das andere, (scheint mir) die Wahrnehmung oder die Impression auszumachen, auf die hin wir die Idee einer notwendigen Verbindung bilden. Ich kann zumindest nichts anderes finden. (Lieber Leser) betrachten Sie die Sache von allen Seiten: Sie werden vermutlich – so wie ich – keine andere Quelle fuer diese Idee finden koennen. Ich halte dies fuer den einzigen Unterschied zwischen dem einmaligen Vorgang, der uns (offensichtlich) nicht zur Idee einer Verbindung veranlasst und der Vielzahl von aehnlichen Vorgaengen, die uns diese Idee nahe legen.

Wenn jemand zum ersten Mal das Kommunizieren von Stossen und Bewegen sieht – wie z.B. beim Zusammenprall zweier Billardkugeln – so wird er vermutlich nicht von einer Verbindung zwischen den beiden sprechen, sondern von einem Zusammentreffen. Erst wenn er dieses Ereignis einige Male beobachtet hat, koennte er sagen: Die beiden sind verbunden. Was ist geschehen, dass diese neue Idee entstehen konnte? Beschreiben koennen wir eigentlich nur das: Jetzt kann er sich vorstellen, dass diese Ereignisse verbunden sein koennten und er wuerde das Eintreten des einen beim Erscheinen des anderen vorhersagen koennen,

Wenn wir Menschen also sagen, dass ein Ding mit einem anderen verbunden sei, dann koennen wir nur meinen, dass sie in unseren Gedanken verbunden sind. Auf diese Weise ziehen wir dann diesen Schluss, der zum Nachweis der Verbindung zwischen beiden Ereignisses dient. Ein irgendwie ungewoehnliches Ergebnis, das aber auf auf einem ausreichend begruendeten Fundament zu gruenden scheint. Seine UEberzeugungskraft wird weder durch eine andeutungsweise unsichere Folge von Schluessen noch durch skeptische Vorbehalte gegen jede neue und ungewoehnliche Schlussfolgerung beeintraechtigt. Sie zeigt aber die Fragwuerdigkeit und engen Grenzen menschlichen Begruendens und menschlicher Faehigkeiten. Derartiges dient Skeptikern als willkommenes Beispiel.

(29) Gibt es ein besseres Beispiel als dieses dafuer, wie ueberraschend kenntnisarm und fragwuerdig unsere Schlussfolgerungen sind, (lieber Leser)? Vermutlich ist die Beziehung von Ursache und Wirkung eine jener Beziehungen zwischen Gegenstaenden, die wir genauestens kennen sollten. Auf sie gruenden sich naemlich alle unsere UEberlegungen ueber Sachverhalte und Ereignisse, die uns zugaenglich sind. Durch sie gewinnen wir (z.B. in der Metaphysik) ausserdem Sicherheit ueber Gegenstaende, die weder durch unsere Erinnerung noch durch unsere Sinne bezeugt werden koennen.

Wissenschaften nuetzen Menschen nur, wenn sie uns lehren koennen, wie wir zukuenftige Ereignisse mit Hilfe ihrer Ursachen beeinflussen und regeln koennen. In jedem Augenblick unseres Denkens und Forschens verwenden wir die Kausalbeziehung. Es mangelt aber unseren Vorstellungen ueber diese Beziehung noch eine praezise Bestimmung von ‚Ursache’. Dazu muessen wir etwas mit heranziehen, das mit ‚Ursache’ eigentlich gar nichts zu tun hat und ihr daher fremd ist. Durch Erfahrung stellen wir fest: Aehnliche Dinge haben aehnliche Ereignisse zur Folge. Passenderweise koennten wir so ‚Ursache’ bestimmen als ein Ereignis, dem ein anderes folgt einschliesslich aller dem ersten aehnliches Ereignisse, die ein aehnliches zweites zur Folge haben. Oder mit anderen Worten: Ursache nennen wir das erste Ereignis, ohne dass das zweite nicht folgen koennte .

Das Auftreten einer Ursache bringt uns – durch gewohnheitsmaessige Uebertragung einer bestimmten Vorstellung – auf den Gedanken der Wirkung. Dies gehoert zu unserer Erfahrung. Deshalb koennen wir – entsprechend unserer Erfahrung – eine weitere praezise Bestimmung der Ursache formulieren: Ursache ist ein Ereignis gefolgt von einem anderen, die uns dazu bringt, letzteres mitzudenken.

Wir haben beide praezise Bestimmungen unter Einbeziehung von fremden Begleiterscheinungen der Ursache verfasst. Aber wir koennen diese Unstimmigkeit nicht vermeiden. Denn wir konnten keine korrektere praezise Bestimmung ausmachen, die sich eventuell auf Begleitumstaende in der Ursache selbst beziehen koennten und die eine Verbindung mit deren Wirkung lieferten. (Der Grund dafuer ist,) wir haben keine Vorstellung von dieser Verbindung. Wir haben nicht die geringste Ahnung davon, was wir zu finden hoffen, waehrend wir uns darum bemuehen, eine Vorstellung zu entwickeln.

Was also meinen wir, wenn wir z.B. sagen, die Vibrationen einer Saite seien die Ursache eines bestimmten Tones? (Meine Antwort lautete:) Ursache meint hier, der bestimmten Vibration einer Saite folgt ein bestimmter Ton, einschliesslich aehnlicher Vibrationen, denen aehnliche Toene folgen. Oder Ursache bezeichnet eine bestimmte Vibration, der ein bestimmter Ton folgt und bei deren Auftreten wir – den Sinnen vorgreifend – sofort eine Vorstellung des Tones bilden. (Ich denke,) wir koennen Ursache-Wirkungs-Beziehungen nur unter diesen beiden Aspekten betrachten. Darueber hinaus verfuegen wir (anscheinend) ueber keine Vorstellung davon.

(30) Ich fasse infolgedessen die einzelnen UEberlegungen dieses Abschnittes noch einmal zusammen. Jede Idee bzw. jede Vorstellung, (die wir Menschen bilden,) ist die Nachahmung (Simulation) eines vorgehenden Eindruckes bzw. einer vorhergehenden Wahrnehmung. Wenn wir nichts wahrnehmen bzw. keine Eindruecke finden, koennen wir ziemlich sicher sein, dass es auch keine Idee gibt. Wir haben kein einziges Ereignis – ausgeloest von Dingen oder Menschen -finden koennen, dass auch nur den Anschein eines Eindruckes aufwies oder die begruendete Vermutung einer Idee der ‚Macht’ oder ‚notwendigen Verbindung’ zuliess. Erst nachdem viele uebereinstimmende Ereignisse – nach dem Muster dasselbe Ereignis folgt einem selben – sich zeigen, beginnen wir Anzeichen fuer Ursache und Verbindung zu erfassen. Wir scheinen ploetzlich etwas Neues wahrzunehmen, bzw. einen Eindruck zu merken. Dies fuehrt dazu, dass wir mit Hilfe dieser Idee oder Vorstellung gewohnheitsmaessig eine Verbindung zu wissen glauben, zwischen einem Ereignis und dem was ueblicherweise danach zu erwarten ist. Die Grundlage fuer die Idee einer ‚notwendigen Verbindung’, nach der wir suchten, scheint diese (neue) Wahrnehmung zu sein. Sie duerfte den Unterschied ausmachen zwischen einer Vielzahl von aehnlichen Ereignissen, woraus sie sich ergibt und einem einzelnen Ereignis, das dergleichen nicht hervorruft.

Beide unterscheiden sich – nach meiner Meinung – nur durch diesen Begleitumstand, dass eine vorgestellte Verbindung gewohnheitsmaessig uebertragen wird. Sonst scheinen sie sich nicht auffallend zu unterscheiden. Das jeweils erste Ereignis einer beobachtbaren Bewegung ist – wie ich in dem anschaulichen Beispiel des Zusammenpralls zweier Billardkugeln erlaeuterte –jedem anderen Ereignis gleich, das wir zum ersten Mal erleben. Es ist scheinbar ausgeschlossen, dass wir beim ersten Mal auf das Ereignis schliessen koennen. Dies gelingt uns erst, nach einer langen Reihe von uebereinstimmenden Erfahrungen (Erlebnissen).

Ich weiss nicht, verehrter Leser, inwieweit Sie meine UEberlegungen nachvollziehen koennen. Doch ich moechte keine weiteren Worte machen oder noch weitere Aspekte hinzufuegen, weil ich fuerchte, dass die Sache dadurch unklarer und komplizierter werden koennte. Es gibt in allen abstrakten Ueberlegungen – wenn man Glueck hat – einen Hauptgedanken, den man besser durch Hinsehen auf die Sache und Finden von Beispielen veranschaulichen kann, im Unterschied zu aller Beredsamkeit und allen Worten der Welt. Es ging mir darum diesen Hauptgedanken darzustellen. Die Blumen fuer rhetorische Verdienste moechte ich denen ueberlassen, die sich diese wuenschen.

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2 Kommentare zu “Enquiry VII deutsch

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